Crackwood Jelly

Mit meinem Bruder Christoph habe ich etwa seit 1984 in den unterschiedlichsten Arten und Projekten Musik gemacht. Erstaunlicherweise ist es auch so, dass Göttingen bereits die vierte Stadt in Deutschland ist, in der wir zur gleichen Zeit wohnen. Was will uns das Schicksal da nur suggerieren…? Das weiß ich letztendlich auch nicht, aber wir haben diesen Umstand immer dazu genutzt, auch Musikprojekte zusammen an den Start zu bringen – so natürlich auch diesmal. Christoph zog also 2004 nach Göttingen und wir fingen ziemlich zügig an, wieder zu proben.

Nach einem Jahr war ein brauchbares Programm aus alten und neuen Nummern zusammen getragen und wir fanden, dass vom Sound her gesehen sozusagen „unten rum“ etwas fehlte. Was lag da näher, als einen routinierten Bassisten zu suchen. Das Problem war, dass der auch in der Lage sein musste, sowohl E- Bass als auch Kontrabass zu spielen. Solche Leute findet man eigentlich nur in der Jazzszene und die sind dann meistens besetzt. Über private Kontakte gelang es uns jedoch, einen Bassisten zu finden, der alle Voraussetzungen erfüllte und darüber hinaus im Bereich Harmonielehre, Gehörbildung und Tonsatz richtig fit ist: Thomas Koch. Das er in diesen Dingen so fit ist, liegt daran, dass er sich professionell mit Musik beschäftigt: Er studierte zu der Zeit Musikwissenschaften am musikwissenschaftlichen Seminar an der Uni Göttingen. Das Allerbeste daran war aber, dass ihm unsere Musik gefiel, weswegen er 2004 bereits nach der zweiten Probe fest einstieg.

Jetzt musste nur noch ein Name her. Mein Bruder und ich rätselten, bis er sich daran erinnerte, dass er 20 Jahre zuvor in einem Gitarrenduo namens „Wooden Music“ spielte, wobei „wooden“ für akustische Musik stand. Das wollte er irgendwie mit da rein weben. Nun war es aber so, dass wir gar nicht mehr nur akustische Musik machten. Das Einzige, was uns soundmäßig von einer elektrischen Band unterschied, war, dass wir kein Schlagzeug hatten. Wir spielten zwar auch und häufig mit akustischen Stahl- oder Nylonsaiten- Gitarren, aber ebenso mit E- Bass und E- Gitarren. Außerdem war unser Programm mit Elementen aus Jazz, Folk, Rock, Pop und Klassik recht bunt und damit nicht mehr das, was man vielleicht üblicherweise mit dem Begriff akustische Musik verbindet.  Also überlegten wir uns den Namen „Crackwood Jelly“, in dem crackwood (=Bruchholz) einerseits für die durchbrochene, eben längst nicht reine akustische Musik stand, und der Begriff jelly (Gelée) andererseits das bunt- soßige des Programms anriß. Mit diesem programmatischen Konzept haben wir drei Jahre erfolgreich gearbeitet, bis uns unterschiedliche Neigungen und Aufgaben leider auseinanderführten.

Das Arbeitsprinzip von Crackwood Jelly war bis dahin im Grunde genommen ganz einfach. Sobald uns ein Lied oder ein Instrumentalstück begegnete, das uns gefiel, zerlegten wir es komplett in seine Bestandteile, um es anschließend in unserer Art und Weise wieder zusammenzusetzen. Dabei ließen wir nur die Teile weg, die uns nicht entsprachen oder nicht zusagten und ersetzten sie durch eigene, für uns typische Elemente. Dabei arbeiteten wir ohne Partituren – lediglich komplizierte Teile schrieben wir in Noten auf, um sie besser in die nächste Probe mitnehmen zu können. Es war nicht jedes Stück gleich leicht zu bearbeiten. Manche Stücke brauchten ein bis zwei Proben und sie standen so, als hätten wir sie selbst geschrieben, was wir hin und wieder übrigens durchaus auch getan haben. Andere Stücke wiederum brauchten Monate, bevor überhaupt die Andeutung eines Gerüstes stand. Jedes Stück brauchte seinen eigenen Geist und seine eigene Seele. So entstand ein buntes Programm, das deswegen aber nicht stillos war.

Crackwood Jelly Galerie

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